Wildkamera-Test

Dich krieg ich!

Test: LIDL Wildkamera WK 5 A1

Nach ALDI hat nun auch LIDL eine Wildkamera im Angebot. Auf den ersten Blick scheint es sich sogar um das gleiche Gehäuse zu handeln. Wildkamera-Test.com fühlt der LIDL Wildkamera auf den Zahn und zeigt, was diese wirklich kann.

LIDL Wildkamera

Die LIDL Wildkamera wird im bewährten Tarnmuster und in einem grauen Gehäuse angeboten – Bild: LIDL

Die Highlights der LIDL Wildkamera

  • Sofort einsatzbereit: Dank mitgelieferter Batterien und 4 GB microSDHC-Karte ist die LIDL Wildkamera in wenigen Minuten einsatzbereit.
  • Weitwinkel: Die Weitwinkel-Linse deckt  89° ab, regulär werden von herkömmlichen Wildkameras ca. 50° erfasst
  • Attraktiver Preis: Wie auch ALDI (Maginon WK3 Wildkamera) verlangt LIDL für seine Wildkamera gerade einmal 89,99 €.

Technische Daten

LIDL Wildkamera WK 5 A1
Auflösung Foto- 1.0 MP
- 3.0 MP
- 5.0 MP Standard
- 8.0 MP (Interpolation)
- 12.0 MP (Interpolation)
Anzahl Fotos je Auslösung1-3 Bilder je Auslösung
Time Lapse /Serienaufnahmefrei wählbar zwischen 5 Sek-24 Std;
kombinierbar mit frei wählbarem Zeitfenster
(z.B. von 08:00 bis 20:00 Uhr alle 10 Sek. ein Bild)
Zeitabstand zwischen Auslösungen5 Sek - 59 Sek (im Sekundenabstand wählbar), 1-60 Min (im Minutenabstand wählbar)
(einstellbare Zeitdauer, die die Wildkamera nach einer Aufnahme wartet,
bis wieder eine Aufnahme gemacht wird)
Auflösung Video- QVGA 320 x 240 (4:3)
- VGA 640 x 480 (4:3)
- WVGA 720 x 480 (3:2)
- HD 1280x 720 (16:9)
- Full-HD 1920x 1080 (16:9)
- mit Ton
Video-Dauer5-60 Sek.
Zeit
Datum
Mondphase
Temperatur
Barometer
Ja
Ja
Nein
Nein
Nein
Anzahl LEDs/
Blitz-Art
insgesamt 42 Low Glow-LEDs
(850 nm/glimmend sichtbar)
Blitz-Reichweiteca. 15 m
Infrarot-Sensor3 Sensor-Fenster bedienen 2 PIR-Sensoren;
Hersteller verspricht Erfassungsbereich von 100° (Ecke zu Ecke);
Einstellbare Empfindlichkeit
(Hoch/Mittel/Gering)
Sensor-ReichweiteIn der Praxis < 5 m
Auslösezeitca. 1,0 Sek.
Batterien4 oder 8 x LR6 (AA Mignon)
alternativ NiMH-Akkus LR6 oder externes 6V Netzteil (min 1,5 A)
Batterie-BetriebsdauerHerstellerangabe "bis zu 6 Monate (beim Betrieb mit 8 Batterien)"
Praxiserfahrung schwankt zwischen wenigen Tagen und 1-2 Monaten (je nach Modus)
Display6,1 cm (2,4")
TFT-LCD Farb-Display
Speicher4 GB microSDHC Speicherkarte
(im Lieferumfang enthalten, per Adapter auf SD-Format)
SD oder SDHC von 2 bis 32 GB möglich
Größeca. 13,7 (H) x 9,5 (B) x 8,1 (T) cm
Preis89,99 €
(nur als Aktionsware)
Schnell im Wald mal die Speicherkarte wechseln? Lieber nicht! Die von der LIDL Wildkamera verwendete microSDHC Speicherkarte (Mitte) ist prädestiniert dafür, verloren zu gehen. Zum Vergleich ist rechts die sonst bei Wildkameras zum Einsatz kommende SD-Karte abgebildet - Bild: Wildkamera-Test.com

Schnell im Wald mal die Speicherkarte wechseln? Lieber nicht! Die von der LIDL Wildkamera verwendete microSDHC Speicherkarte (Mitte) ist prädestiniert dafür, verloren zu gehen. Zum Vergleich ist rechts die sonst bei Wildkameras zum Einsatz kommende SD-Karte abgebildet – Bild: Wildkamera-Test.com

microSD Speicherkarte: Die LIDL Wildkamera verwendet NICHT die bei Wildkameras üblichen SD-Karten, sondern unterstützt die deutlich kleineren microSD Speicherkarten. Im Lieferumfang ist eine 4GB microSDHC-Speicherkarte, möglich sind aber auch Karten bis zu 32 GB. Zwar kann man die microSD-Speicherkarte mittels des beiliegenden Adapters auf das eher gebräuchliche SD-Karten Format bringen und so z.B. in den Kartenleser des PCs einsetzen. Aber im Wald ist das Miniformat der Speicherkarten eine mittlere Katastrophe. Die Speicherkarte im Wald zu wechseln – nichts für schwache Nerven! Schwups ist das kleine fummelige Ding runtergefallen und dann viel Spaß… Wir haben unter wilden Flüchen gute 10 Minuten den Waldboden nach dem kleinen schwarzen Teil abgesucht. Hat man die microSDHC-Karte dann endlich wieder gefunden, geht sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Nachhauseweg verloren. Das ist einfach ein unsinniges Format für eine Outdoor-Kamera.

Seltsame Videoauflösungen: Die LIDL Wildkamera stellt nicht weniger als 5 verschiedene Videoauflösungen zur Auswahl. Darunter auch so exotische Auflösungen wie 720 x 480 P im 3:2 Verhältnis. In der Praxis kann man die niedrigen Auflösungen getrost vergessen. Das tut sich in Zeiten von HD und 4 GB Speicherkarten keiner mehr an.

Altertümlicher Fotostempel: Wenn Foto aufgenommen wurde, kann man sich bei Wildkameras auf Wunsch bestimmte Infos in einem sog. Fotostempel im Bild anzeigen lassen. So auch bei der LIDL Wildkamera. Aber dass lediglich Datum und Uhrzeit zur Verfügung stehen, hat uns dann doch überrascht. Zwar halten wir die barometrische Anzeige der Moultrie-Wildkameras für Spielerei, aber Batteriestatus, Mondphase oder Temperatur gehören inzwischen einfach zum guten Ton selbst der günstigsten Wildkameras.

Nutzlose PIN-Sicherung: Die LIDL Wildkamera lässt sich per vierstelligem PIN schützen. Allerdings steht in der Bedienungsanleitung auch gleich, wie man an die ZIP-Datei kommt, um die Wildkamera wieder auf Auslieferungszustand zu setzen. Damit kann jeder Wildkamera-Dieb die Kamera resetten. Super Diebstahlschutz…

Sehr guter Befestigungsgurt: Nach dem Motto „Gut kopiert ist besser als schlecht selbst gemacht“ hat man sich bei dem Befestigungsgurt einfach bei dem Moultrie-System bedient. Die Gurtschnalle ist nach dem Prinzip Wäscheklammer mit einer starken Feder ausgestattet und greift mit ihren Zähnen solide in den relativ breiten Gurt. So sitzt die Wildkamera mit einem Zug bombenfest.

Auffällige Wandhalterung: Dass eine Wandhalterung bereits mitgeliefert wird, ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber Größe und Farbwahl sind dann doch eher bedenklich. Mit einem  Durchmesser von 8,5 cm und in einem auffälligen Silber lackiert ist die Halterung viel zu auffällig.

LED Konzept: 42 Low Glow-LEDs

Lediglich Low Glow-LEDs: Die insgesamt 42 LEDs der LIDL Wildkamera sehen aufgrund ihrer dunklen Einfärbung auf den ersten Blick wie nachts unsichtbare Black LEDs aus, sind es aber nicht. Wir waren einigermaßen erstaunt, wie deutlich man die LEDs bei Dunkelheit zum Zeitpunkt der Aufnahme wahrnimmt. Insbesondere im Videomodus (LEDs brennen während der gesamten Aufnahme!). Die bei der LIDL Wildkamera verwendeten „Low Glow“ LEDs arbeiten im Bereich 850 nm. Dadurch und auch mit der schieren Menge an LEDs (42) sollte sie nachts zumindest bei der Ausleuchtung im Vorteil gegenüber einer „No Glow“ Wildkamera, die es im Bereich von 940 nm prinzipbedingt deutlich schwieriger hat, eine Szenerie nachts gut auszuleuchten. Aber die Nachtaufnahmen sind wenig überzeugend.

Verräterisches Glimmen: Hinzu kommt, dass die LIDL Wildkamera WK5 A1 klar wahrnehmbar leuchtet. Für die Wildüberwachung mag das noch halbwegs ok sein. Irgendwann gewöhnen sich die Tiere an das Leuchten. Aber als Überwachungskamera ist die LIDL wenig geeignet. Wird ein ungebetener Gast durch dieses auffällige Leuchten auf die LIDL Wildkamera aufmerksam, kann er ja schon fast nicht anders, als die Wildkamera ebenfalls zu entwenden…

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Das Glimmen der LEDs ist für Überwachungszwecke viel zu auffällig – Bild: Wildkamera-Test.com

Schwache Ausleuchtung: Ein weiterer Punkt, der uns am LED-Konzept der LIDL-Wildkamera missfällt, ist die schwache Leistung bzw. die spärliche Ausleuchtung der Szenerie durch die LEDs. Von immerhin insgesamt 42 LEDs sollte man mehr erwarten dürfen. Hier sieht man im wahrsten Sinne des Wortes den Unterschied zwischen einer Marken-Wildkamera wie z.B. der Moultrie M-990i, die mit gerade einmal 32, noch dazu völlig unsichtbaren LEDs fantastische Nachtaufnahmen macht und einer Wildkamera vom Lebensmitteldiscounter. Ein Grund für die schwache Leistung der LIDL-Wildkamera bei Nachtaufnahmen ist im verwendeten Weitwinkelobjektiv zu suchen. Die Idee des Weitwinkels ist es ja, einen größeren Ausschnitt abzubilden, als bei einem herkömmlichen Objektiv. Dieser größere Bildausschnitt will aber nachts auch erst einmal ausgeleuchtet sein. Das muss man sich so vorstellen, als wenn man das Licht einer Taschenlampe anstatt auf einen kleinen Bereich zu bündeln, auf eine große Fläche verteilt. Da setzt die Physik nun einmal Grenzen

Gehäuse, Display & Tasten

Gehäuse: Das Gehäuse der LIDL Wildkamera ist grundsätzlich ein alter Bekannter und nahezu identisch mit dem der ALDI Maginon WK3 Wildkamera. Daher kommen hier die gleichen Kritikpunkte zum Tragen. Die gesamte Ausführung der Wildkamera ist wenig wertig. Ein Beispiel dafür sind die wenig Vertrauen erweckenden Verschlüsse. Aber bei diesem Preis muss man nun einmal Abstriche machen.

Ärgerlicher Ein-/Aus-Schalter: Um die LIDL Wildkamera ein- und aus zu schalten, bzw. in den Test-Modus zu gelangen, wird ein fummeliger Schiebeschalter an der Unterseite (!) des nach vorne wegklappenden Gehäuses verwendet. Wer sicherstellen möchte, dass die LIDL Wildkamera auch wirklich eingeschaltet ist, darf sich im Wald auf den Rücken legen, anders ist die Schalterposition nicht erkennbar. Ach ja, und im Winter bei Minusgraden wird das erst recht ein Spaß. Bei ungünstiger Beleuchtung ist die Beschriftung der Schalterpositionen beim besten Willen nicht zu lesen. Also Taschenlampe und Lesebrille mit in den Wald nehmen.

Weitwinkel-Optik: Wirklich neu ist die verbaute Weitwinkel-Optik, die deutlich größer ausfällt, als die reguläre Optik und somit etwas mehr Platz beansprucht.

LIDL Wildkamera Zubehör

LIDL Wildkamera inkl. Zubehör – Bild: LIDL

Gutes Farb-Display: Das Display LIDL Wildkamera besitzt mit 4,8 x 3,6 cm eine angenehme Größe und ist von guter Qualität.

Gute Tasten: Die Tasten sind von der Form, der Anordnung und der Beschriftung absolut identisch zur ALDI Maginon WK3.

Menü, Bedienung & Bedienungsanleitung

Gutes Menü: Das Menü ist intuitiv und auch ohne Bedienungsanleitung zu verstehen.  Was uns sehr gut gefallen hat, ist die Übersichtlichkeit beim Einstieg in ein Untermenü. Am linken Rand bleibt immer die oberste Menü-Ebene sichtbar. Sehr gut gelöst.

Leichte Bedienung: Einmal von dem fummeligen OFF-TEST-ON-Schiebeschalter und der aus unserer Sicht viel zu kleinen Speicherkarte abgesehen ist die Bedienung der LIDL Wildkamera recht einfach.

Sehr gute Bedienungsanleitung: Hier leisten sich die Lebensmitteldiscounter keine Blöße. Wie auch bei ALDI ist die Bedienungsanleitung von LIDL ohne Fehl und Tadel. Die insgesamt 42 seitige Bedienungsanleitung der LIDL Wildkamera gibt es hier zum Download.

Erfassungsbereich & Auslösegeschwindigkeit

100° Sensor-Bereich: LIDL verspricht in seiner Bedienungsanleitung einen Sensor-Erfassungswinkel von 100°. Das Aufnahmefeld für Fotos und Videos beträgt ca. 89°.

Nur zwei Bewegungssensoren: Entgegen der werblichen Aussage im LIDL-Prospekt sind in der LIDL Wildkamera nur zwei PIR-Sensoren verbaut. Hinter den unteren beiden seitlichen Sensorflächen befindet sich nur ein einziger Sensor, der von den beiden waagerecht positionierten Streuscheiben gleichermaßen bedient wird.

89° Erfassungsbereich: Während eine Standard-Wildkamera ca. 50° abdeckt, verwendet die LIDL Wildkamera eine Weitwinkel-Optik und kommt so auf  89°. Das hört sich im ersten Moment natürlich super an, aber wie alles im Leben kommt nichts umsonst. Im Fall der Weitwinkel-Optik erkauft man sich den größeren Bildausschnitt mit einer Reihe von prinzipbedingten Nachteilen:

  • Objekte „weiter weg“: Bei einer 5MP-Aufnahme werden die gleiche Anzahl Pixel auf einen deutlich größeren Ausschnitt verteilt. Das führt zum einen dazu, dass die Bildqualität des gleichen Ausschnitts leidet. Zum anderen wirken die Objekte viel weiter weg.
  • Fischaugen-Effekt: Die Weitwinkel-Optik verzerrt ein wenig. Gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte laufen, werden gekrümmt abgebildet.
  • Nachts schlechtere Ausleuchtung: die gleiche Anzahl LEDs muss nun die 3-4 fache aufgenommene Fläche ausleuchten – da setzt die Physik Grenzen.
  • Geringere Sensibilität: Wenn die beiden Bewegungssensoren auf einmal für die 3-4 fache Fläche verantwortlich sind, kann das nicht mit der gleichen Präzision erfolgen. Weitwinkel-Wildkameras sind daher weniger empfindlich gegenüber kleineren, wenig Wärme abstrahlenden Objekten (z.B. Kleintiere).
  • Empfindlichkeit gegenüber Gegenlicht: Gegenüber herkömmlichen Wildkameras sitzt die Weitwinkel-Optik weiter vorne im Gehäuse. Das macht die LIDL-Wildkamera anfälliger gegenüber Gegenlicht.
Die LIDL Wildkamera verwendet eine Weitwinkeloptik. Zum Vergleich: eine reguläre Wildkamera nimmt den inneren Bereich des roten Kastens auf - Bild: Wildkamera-Test.com

Die LIDL Wildkamera verwendet eine Weitwinkeloptik. Zum Vergleich: eine reguläre Wildkamera nimmt den inneren Bereich des roten Kastens auf – Bild: Wildkamera-Test.com

Zum Vergleich: Die Situation von einer regulären Wildkamera aufgenommen. Zwar ist der Bildausschnitt deutlich kleiner, aber jedes Detail ist klar erkennbar und unverzerrt.

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Die gleiche Situation aus Sicht einer Wild Vision Full HD 5.0: zwar weniger abgebildete Fläche, aber detailliert und unverzerrt – Bild: Wildkamera-Test.com

Das alles soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei einer Überwachungskamera in erster Linie darauf ankommt, dass die Aufnahme überhaupt etwas zeigt. Die Qualität steht an zweiter Stelle. Eine Weitwinkel-Optik deckt grundsätzlich gegenüber einer regulären Wildkamera eine deutlich größere Fläche ab. Dazu müssen aber auch der bzw. die Bewegungsmelder auf diese Optik abgestimmt sein. Und das ist bei der LIDL Wildkamera leider ganz und gar nicht der Fall. Aber dazu später mehr.

Mangelnde Auslöse-Zuverlässigkeit: Gegenüber den bei diesem Thema sehr vorbildlichen Wildkameras vom Schlage einer Dörr SnapShot Mini oder einer WildVision Full HD 5.0 ist die LIDL Wildkamera klar schwächer. Wie schlecht die LIDL-Wildkamera auslöst, bemerkt „Otto-Normalverbraucher“ allerdings meist gar nicht. Erst wenn man die LIDL Wildkamera gleichzeitig mit einer anderen Wildkamera betreibt, bemerkt man, was der LIDL-Wildkamera alles „durch die Lappen“ geht. Unsere Vergleichsserien bei Tag und Nacht kamen zum Ergebnis, dass die LIDL Wildkamera im Vergleich zu den beiden o.g. Wildkamera nur bei einer von drei Situationen auslöste. Konkret hatten wir nach drei Tagen bei der Dörr und auch bei der Wild Vision je ca. 60 Aufnahmesituationen. Die LIDL-Wildkamera hat davon nur knapp 20 erfasst..

Während eine ordentliche Wildkamera selbst bei Kleintieren wie Mäusen zuverlässig auslösen, scheint die LIDL Wildkamera hier ein massives Problem zu haben. Selbst Kinder werden von den Bewegungsmeldern der LIDL Wildkamera oft nicht registriert.

Späte Auslösung: Die LIDL Wildkamera hat insbesondere Schwierigkeiten, wenn das Objekt nicht quert, sondern von vorne bzw. diagonal auf die Wildkamera zugeht. Bei einem Test sind wir von mehr als 20 Meter von vorne auf die LIDL Wildkamera zugegangen. Erst bei ca. 2,0 Metern löste die Wildkamera aus. Inakzeptabel! Die auf gleicher Position hängende Wild Vision machte die erste Aufnahme bereits bei ca. 15 Metern.

Während andere Wildkameras also bereits fleißig Aufnahmen produzieren, dämmert die LIDL Wildkamera noch vor sich hin. Ein gutes Beispiel ist die folgende Aufnahme eines Rehkitzes. Die LIDL Wildkamera erwischt das Kitz erst, als es fast schon wieder aus dem Bild verschindet. Und das, obwohl es von hinten rechts diagonal durch den Überwachungsbereich läuft. Einmal abgesehen davon würde es uns nicht wundern, wenn dem Kitz das ein Muttertier voran gegangen ist und bereits unerkannt durch das Bild gelaufen ist. Denn in diesem Alter sind die Rehkitze selten alleine unterwegs.

Das ist das erste Bild aus der eingestellten 3er-Serie. Die LIDL Wildkamera löst erst aus, als das Reh schon fast aus dem Bild ist - Bild: Wildkamera-Test.com

Die LIDL Wildkamera hätte jede Menge Zeit gehabt, aber das erste Bild wird erst aufgenommen, als das Reh schon fast aus dem Bild getrabt ist – Bild: Wildkamera-Test.com

Die Kommentare (s.u.) anderer Nutzer der LIDL Wildkamera gehen alle in die gleiche Richtung. Das scheint also ein grundsätzliches Thema zu sein.

Bild-/Videoqualität am Tag und in der Nacht

Während man am Tag mit der Bildqualität der LIDL Wildkamera durchaus leben kann, waren wir von den Nachtaufnahmen doch sehr enttäuscht.

 

Schwache Ausleuchtung trotz

Lediglich die ersten Meter (Achtung, die Weitwinkel-Optik läßt alles weiter weg erscheinen) sind ausgeleuchtet. Die Hirschkuh nimmt das relativ starke Glimmen der LIDL WK5 A1 wahr und stutzt – Bild: Wildkamera-Test.com

Wildcamera

Verräterisches Glimmen: 45 Sekunden später steht die Hirschkuh samt Gefolgschaft immer noch wie angewurzelt und starrt in die hell leuchtende LIDL Wildkamera, dann wendet sie und dreht ab – Bild: Wildkamera-Test.com

Direkter Vergleich mit der Wild Vision: Die beiden folgenden Aufnahmen beweisen, dass eine Wildkamera vom Schlage einer Moultrie oder Wild Vision 5.0 Full HD der LIDL Wildkamera nachts klar überlegen ist. Zunächst das erste Foto der LIDL Wildkamera:

Wildcamera

Die Weitwinkeloptik der LIDL Wildkamera schluckt jedes Detail. Die Katze scheint weit weg, ist aber gerade einmal 1,5 m von der Kamera entfern und entsprechend überbelichtet. Zudem löst die LIDL Wildkamera extrem spät aus – Bild: Wildkamera-Test.com

Nun zum Vergleich das dritte (!) Foto der auf gleicher Position installierten Wild Vision 5.0 Full HD. Obwohl die Wild Vision unsichtbare 940 nm-LEDs verwendet (prinzipbedingt geringere Reichweite) und obwohl bei der folgenden Aufnahme gerade einmal 19 der zur Verfügung stehenden 40 LEDs zum Einsatz kamen, sind die Aufnahmen der Wild Vision nachts wesentlich gefälliger, als die der mit 42 LEDs operierenden LIDL Wildkamera.

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Zum Vergleich: die gleiche Szene vom gleichen Betrachtungspunkt mit einer Wild Vision Full HD 5.0 aufgenommen; obwohl die Katze gleich groß erscheint, ist sie mehr als doppelt so weit entfernt, als im oberen Bild. Auch bei Nacht ist jedes Detail zu erkennen, obwohl nur 19 der 40 LEDs dieser Wildkamera eingeschaltet waren – Bild: Wildkamera-Test.com

Fazit: Die Weitwinkeloptik der LIDL Wildkamera geht zu Lasten der Bildqualität. Tagsüber ist die Bildqualität grundsätzlich annehmbar, aber die Bilder weisen zum Rand hin eine deutliche Verzerrung auf (Fischaugen-Effekt). Nachts ist das Zusammenspiel zwischen PIR-Sensor, LEDs und Weitwinkeloptik wenig überzeugend. Die LIDL Wildkamera löst zu spät aus (wenn überhaupt), die Ausleuchtung ist ungleichmäßig und die Bildschärfe ist enttäuschend. Von einer Wildkamera mit 42 LEDs und 850 nm-Technologie hätten wir mehr erwartet.

Batterien & Energiemanagement

8 x Mignon: Bei LIDL Wildkamera sitzen acht Batterien unter einer Plastikabdeckung in der Rückseite der Wildkamera. Man kann die Wildkamera mit 4 oder 8 AA-Mignon Batterien oder Akkus betreiben. Bei Verwendung von lediglich 4 Batterien können diese entweder alle in den oberen Teil oder alle in den unteren Teil des Batteriefachs eingesetzt werden. Andere Kombinationen sind nicht möglich.

Netzadapter: Wer die Möglichkeit besitzt, sollte bei Wildkameras grundsätzlich über den Einsatz eines Netzadapters nachdenken. Batteriebetrieben Wildkameras haben manchmal die unangenehme Eigenart, dass die Batterie genau in dem Moment leer ist, in dem man ein Beweisfoto am dringendsten benötigt hätte. Grundsätzlich kann jede Wildkamera auch mit einem externen Netzteil betrieben werden. Bei der LIDL Wildkamera ist der Betrieb über einen Netzadapter auch mit eingelegten Batterien möglich. Fällt eine der Spannungsquellen aus, wird der Betrieb über die andere aufrechterhalten. Die LIDL-Wildkamera benötigt ein Netzteil mit einer Spannung von 6V und einer Stromstärke von min. 1,5 A.

Batteriefresser HD-Videos: HD-Videos bei Nacht sind prinzipbedingt der Batteriefresser schlechthin. Zum einen brennen die 42 LEDs während der gesamten Aufnahmedauer fortwährend. Zum anderen müssen die im Vergleich zu Fotodateien extremen Datenmengen vom Prozessor bearbeitet und auf die SD-Karte gespeichert werden. Das kostet Strom. Gerade während Videoaufnahmen kommt es zu Abschaltungen, da die Spannung unter den kritischen Wert fällt.

Bewertung, Preis & Bezugsquellen

Bewertung: Mit der Kombination Black LEDs und Weitwinkel handelt es sich bei der LIDL Wildkamera auf den ersten Blick um ein interessantes Konzept das sie insbesondere in diesen beiden Punkten von der ansonsten baugleichen ALDI Maginon WK3 Wildkamera unterscheidet. Die Black LEDs entpuppen sich aber als Mogelpackung, denn sie leuchten nachts deutlich sichtbar und viel zu auffällig. Wenn ein ungebetener Gast nicht die LEDs bemerkt, wird er spätestens bei dem deutlich zu vernehmenden Auslösegeräusch hellhörig.

Zudem sind die Nachtaufnahmen von vergleichsweise schlechter Qualität. Auch das Weitwinkelkonzept ist nicht zu Ende gedacht. Wenn die LIDL Wildkamera denn einmal auslöst, kann man die Aufnahmen nur tagsüber bei gutem Licht verwenden. Nachts ist durch das Weitwinkelobjektiv, das alle Objekte weit weg erscheinen lässt in Kombination mit den enttäuschenden LEDs wirklich so gut wie nichts auf den Aufnahmen zu erkennen.

Preis & Bezugsquellen: Die LIDL Wildkamera wird erstmalig ab dem 11. Juni in den LIDL Filialen zum Kauf angeboten. Mit nur 89,99 € liegt der Preis auf Augenhöhe mit der ALDI Wildkamera Maginon WK3.

Kaufen? Eher nicht. Von vorneherein sollte man seine Erwartungshaltung an Qualität und Zuverlässigkeit der LIDL Wildkamera dem Preis anpassen. In unseren Augen ist die erschreckend schwache Auslösepräzision ein zentrales K.O.-Kriterium. Was nützt es einem, wenn die Optik eine große Fläche abbilden könnte, die Bewegungsmelder aber erst ab ca. 1,5-2,0 m anschlagen. Das geht gar nicht. Auch das deutlich zu vernehmende Auslösegeräusch haben wir so bei noch keiner getestteten Wildkamera erlebt. Damit ist die LIDL Wild- und Überwachungskamera in unseren Augen weder für schreckhaftes Wild, noch als Überwachungskamera gegen ungebetene Gäste ordentlich einzusetzen. Da legt man besser noch 40 € drauf und besorgt sich die zuverlässige Wild Vision Full HD 5.0 oder die zwar weniger gut ausgestattete und ein wenig in die Jahre gekommene aber ebenfalls sehr zuverlässige Dörr SnapShot Mini Black. Die ist allerdings dann auch gleich fast doppelt so teuer.

Unsere Wertung für die LIDL Wildkamera:

1.5 Sterne

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